Als Michael Jordan für das Bundesligateam von Bayreuth auflief
Ja, es geht um den echten Michael Jordan, aber trotzdem täuscht die Überschrift. Es ist schließlich nur ein Promo-Spiel, in dem MJ für Bayreuth aufläuft … und Fotos davon gibt es auch kaum. Deshalb er
Ja, es geht um den echten Michael Jordan, aber trotzdem täuscht die Überschrift. Es ist schließlich nur ein Promo-Spiel, in dem MJ für Bayreuth aufläuft … und Fotos davon gibt es auch kaum. Deshalb erzählen seine Mitspieler.
„Wir haben uns schon aufgewärmt, als Jordan in die Halle kam, und die Zuschauer fingen sofort an zu kreischen“, erinnert sich Ralf Risse, der damals für Steiner Bayreuth spielt. „Manche fielen sogar in Ohnmacht. Es war verrückt.“ Rund 4.000 Fans kommen an diesem 28. August 1990 in Frankfurt am Main zusammen, um Michael Jordan zu huldigen. Bayreuths neuer Trainer Murray Arnold arbeitete vorher als Co-Trainer der Chicago Bulls und hatte geholfen, es für dieses Werbespiel von Nike möglich zu machen, dass Bayreuth mit Jordan gegen ein Allstar-Team der in Europa stationierten US-Soldaten antreten darf.
Kurzes Hallo, dann geht es los. Doch wer spektakuläre Szenen erwartet, wird enttäuscht: Der NBA-Star kommt nicht ins Spiel, obwohl die Bayreuther Spieler ihn füttern. „Es ging so weit, dass Jordan uns in einer Auszeit zurief: 'Spielt Basketball. Ihr müsst auch mal auf den Korb werfen'“, erzählt Mike Koch. In der zweiten Halbzeit soll Jordan ins US-Team wechseln, doch er ist so unzufrieden, dass er bei Bayreuth bleibt. Er dreht in der Folge auf, und als sein Team zwei Minuten vor Ende als Sieger feststeht, verlässt er das Feld. „Er wollte auf keinen Fall verlieren, nicht mal dieses Showgame“, sagt Koch. Bayreuth gewinnt 90:79 – und Jordan ist so plötzlich fort, wie er gekommen war.
Eine Fotostrecke von Einsatz von Micahel Jordan bei Steiner Bayreuth gibt es hier zu finden.
Für die Bayreuther Spieler ist das auch heute nach eigenen großen Erfolgen noch immer „etwas ganz Besonderes“, wie Koch sagt. Einziger Wermutstropfen: Es existiert kein Video, es gibt keine Hochglanzbilder, nicht mal ein gemeinsames Teamfoto. „Echt ärgerlich“, sagt Center Nils Becker. „Aber damals gab es keine Digicams, keine Handys.“ Geblieben sind einzig ein paar unscharfe Bilder einer billigen Einwegkamera … und die Erinnerungen der Bayreuther Spieler an die eine Partie mit dem besten Basketballer der Welt.

50 Jahre Basketball Bundesliga
Dieser Beitrag stammt aus dem Buch "50 Jahre Basketball Bundesliga", welches 2015 unter journalistischer Federführung von Chefredakteur Sven Simon erschienen ist. In dem Buch blicken renommierte Autoren wie Thomas Pletzinger (Buch-Autor, „Gentlemen, wir leben am Abgrund“), Joachim Mölter (Süddeutsche Zeitung), Michael Reinsch (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Dietmar Schott (ehemaliger WDR-Sportchef) sowie die ehemaligen Nationalspieler Henning Harnisch und Johannes Herber in einer Mischung aus literarischem Stil und moderner Basketballsprache auf die Geschichte der Bundesliga zurück.
Das Buch lässt in edlem Layout auf 220 Seiten die größten Momente aufleben, erinnert an die Stars von gestern, präsentiert die Helden von heute und zeigt bis dahin unveröffentlichte Fotos. In Interviews, Porträts, Essays und Kolumnen werden große Erinnerungen und Emotionen geweckt. Die Stars jeder Epoche erzählen Anekdoten über Aufstieg und Abschied, über Triumphe und Tragödien, über Freunde und Feinde. Von den Pionieren der Liga bis zu den deutschen NBA-Stars von heute: Auf unterhaltsame, lockere Art ist dieser Band samt ausführlichem Statistikteil das Kompendium des deutschen Basketballs. Ein Muss für jeden Basketball-Fan!