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Kleiner Mann ganz groß: Bo Dukes und seine riesigen 168 Zentimeter

Immer wieder gab es in der Bundesliga kleine Aufbauspieler, Bayreuths Alvin „Bo“ Dukes aber war nicht klein – er war riesige 168 Zentimeter groß!

1988

Immer wieder gab es in der Bundesliga kleine Aufbauspieler, Bayreuths Alvin „Bo“ Dukes aber war nicht klein – er war riesige 168 Zentimeter groß!

Was Richard Wagner für die Opernliebhaber ist, war Alvin „Bo“ Dukes für die Sportfans: ein Publikumsmagnet. Aus der ganzen Republik reisten die Sportfans Ende der achtziger Jahre nach Bayreuth, um den kleingewachsenen US-Amerikaner inmitten der Zwei-Meter-Hünen wirbeln zu sehen. Sogar Menschen, die niemals zuvor ein Basketballspiel gesehen hatten, zog Dukes mit seiner trickreichen Spielweise in seinen Bann.

Der nur 1,68 Meter große Spielmacher führte seine Verteidiger regelmäßig vor – mit Pässen durch ihre Beine, mit Passtäuschungen, an deren Ende er doch selber warf, mit mutigen Drives in die Zone und hoch angesetzten, verzögerten Korblegern über lange Centerarme. „Bo“ Dukes war der erste große Star der Bundesliga, über die Grenzen der Sportart hinaus.

Bayreuths Bo Dukes (1,68 Meter) gegen Leverkusens Gunther Behnke (2,21).

Als der DBB im Sommer 1988 den Weg für einen zweiten ausländischen Spieler pro Mannschaft freigemacht hatte, lotste Bayreuths Trainer Lester Habegger seinen Landsmann vom schwedischen Meister Södertälje in die Bundesliga. In Windeseile wurde Dukes zur Attraktion. Und für Steiner Bayreuth zum Erfolgsgaranten: Das Double 1989 trug zum großen Teil seine Handschrift. „Die Zeit in Bayreuth war einzigartig, die schönste in meiner Karriere”, erinnert sich Dukes heute. „Die Stadt, der Verein, die Halle, das Management, die Mannschaft, die Zuschauer – es hat einfach alles perfekt zueinander gepasst. Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich daran denke.“ Drei Jahre, bis 1991, spielte er für die Oberfranken, ehe er den Einsparungen zum Opfer fiel. 1995 kehrte er als 34-Jähriger in die Bundesliga zurück und führte Ulm 1996 zum Gewinn des DBB-Pokals.

In Deutschland fand Dukes das Glück und die Anerkennung, die er in seiner Heimat USA vermisste: „Es war nicht leicht für mich. Viele Leute haben gesagt, ich sei sogar für das Highschool-Team zu klein, erst recht fürs College.“ Anfangs blieben Angebote von großen Hochschulen aus, doch Dukes gab nicht auf und verfolgte weiter zielstrebig seinen Profitraum. Vier Jahren an der unterklassigen Xavier University of Louisiana folgten schlecht bezahlte Engagements in Schweden und der CBA. 1986 durfte er mehrere Wochen am Trainingslager der New York Knicks teilnehmen, zu einem NBA-Vertrag reichte es jedoch nicht.

In der Bundesliga öffnete er die Türen für Profis wie Carl Brown, Dwight Pernell oder David Holston, nachdem den Klubs lange der Mut zur Verpflichtung kleingewachsener US-Amerikaner gefehlt hatte. Dukes war der Vorreiter. Stets hatte er sein Leitmotiv vor Augen: „Ich selbst habe niemals sehr über meine Größe nachgedacht. Mein Collegetrainer sagte einst zu mir: ‚Es kommt nicht darauf an, wie groß du bist, sondern wie groß du spielst.”