Mister Nobody: Wie der unbekannte Greg Wendt als Topscorer die Liga dominierte
Greg Wendt ist ein in der Bundesliga einzigartiges Phänomen. Er kam als unbekannter Spieler zum TuS Bramsche und wurde drei Jahre in Folge bester Scorer der Liga.
Greg Wendt ist ein in der Bundesliga einzigartiges Phänomen. Er kam als unbekannter Spieler zum TuS Bramsche und wurde drei Jahre in Folge bester Scorer der Liga. Vor ihm und nach ihm schaffte das niemand.
Er kam, sah … und netzte ein. Nicht nur zum Einstand, als Gregory Wendt aus dem Flieger in die Halle stiefelt und beim Testspiel des TuS Bramsche ordentlich einschenkt, sondern: wie auf Anhieb so letztlich fünf Jahre lang. Obwohl er nach dem College – darunter zwei Saisons bei den Duke Blue Devils unter Mike Krzyzewski – quasi drei Jahre mit Basketball pausiert, führt er Bramsche im ersten Jahr in der zweiten Liga 1990 als Aufsteiger zum Aufstieg.
In der Bundesliga wird der eindimensionale Scorer seine Probleme bekommen, heißt es, aber die Wendt-Festspiele gehen auch auf großer Bühne weiter: Zum Start der Saison 1990/91 sammelt er beim 118:108-Sieg in Gießen 43 Punkte, seine Bestmarke von 56 Punkten folgt am dritten Spieltag bei der 129:101-Niederlage in Hagen. „Den Wendt kann man nicht stoppen“, spricht Hagens Coach Bernd Motte aus, was viele denken. Schnell ist vom „TuS Wendt“ die Rede, aber am Ende der Saison hater sich mit 36,3 Punkten nicht nur den höchsten Schnitt in der Geschichte der Liga erballert, sondern auch den Aufsteiger in die Playoffs geführt. In den folgenden beiden Jahren verteidigt er mit durchschnittlich 30,6 und 25,6 Punkten seine Topscorerkrone.
Auf die unorthodoxe Spielweise des 1,98 Meter großen Flügelspielers können sich die Gegner nie wirklich einstellen. Zum einen ist da sein ebenso sicherer wie unblockbarer Sprungwurf von weit hinter dem Kopf, zum anderen sein Instinkt für Offensivrebounds. Regelmäßig geht er dem eigenen Wurf nach, wirft seinen Körper in den Zonenkampf und erackert sich zweite Wurfchancen. Nie elegant, immer effektiv. Drei Mal hievt er Bramsche in die Playoffs. Im „Wohnzimmer der Liga“, einer Schulsporthalle mit 915 erlaubten Zuschauern, feiern die Fans ihren Greg als Star ohne Allüren. Mit 31 Jahren bekommt er kein neues Angebot im kleinen Bramsche und geht zurück ins große Detroit, wo er heute mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen lebt und als Verkaufsmanager in der Plastikindustrie arbeitet.
